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Bund Deutscher Cannabis-Patienten e.V.

Neue Regeln zur Kosten­über­nahme von Cannabis­arznei­mitteln: Was Patient:innen jetzt wissen sollten

Informationen für gesetzlich versicherte Patient:innen mit einer laufenden oder geplanten Therapie mit Cannabis­­arznei­mitteln.

Aktueller Stand

Was derzeit gilt

Cannabis­blüten sind aus der gesetzlichen Regelung zur Kosten­übernahme von Cannabis­medikamenten gestrichen worden. Für Cannabis­extrakte in standardisierter Qualität sowie Medikamente mit Dronabinol oder Nabilon kann die gesetzliche Krankenkasse weiterhin zahlen. Dafür müssen die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sein.

Das Gesetz sieht derzeit noch vor, zunächst ein zugelassenes Fertig­arzneimittel mit Cannabis sechs Monate lang zu erproben. Damit ist ein bereits fertig hergestelltes Medikament gemeint.

Das bedeutet nicht, dass ein Medikament trotz fehlender Wirkung oder Unverträglichkeit sechs Monate lang weiterverordnet werden muss. Darauf weist die Bundesregierung ausdrücklich hin. Über die weitere Behandlung entscheidet die behandelnde ärztliche Fachperson.

Für bereits genehmigte Blüten­behandlungen kommt es auch auf die bisherige Genehmigung und mögliche Entscheidungen der Krankenkasse an. Hinweise dazu stehen weiter unten auf dieser Seite.

Gesetzliche Regelung zur Kosten­übernahme: § 31 Absatz 6 SGB V

Antwort der Bundesregierung zum Umgang mit unwirksamen oder unverträglichen Medikamenten, Frage 16, Seite 6 (PDF)

Was der Bundestag am 15. Oktober 2026 beschlossen hat

Der Bundestag hat am 15. Oktober 2026 beschlossen, die Vorgaben für diesen Behandlungs­versuch zu ändern:

  • Ein Fertig­arzneimittel mit Cannabis soll nur dann zuerst erprobt werden müssen, wenn es für die jeweilige Erkrankung oder die zu behandelnden Beschwerden zugelassen ist.
  • Die feste Vorgabe von sechs Monaten soll entfallen. Die Dauer soll nach der ärztlichen Einschätzung festgelegt werden.

Wer wegen derselben Erkrankung oder Beschwerden bereits ein Cannabis­medikament erhält, soll diesen Versuch nicht nachholen müssen. Das steht in den Erläuterungen zur Änderung, aber nicht ausdrücklich im neuen Gesetzestext.

Die Änderung bringt Cannabis­blüten nicht zurück in die gesetzliche Regelung zur Kosten­übernahme. Sie sichert deshalb auch nicht automatisch die weitere Bezahlung einer bisherigen Blüten­behandlung.

Bundestag: Was am 15. Oktober 2026 beschlossen wurde

Beschlossene Änderung: Gesetzestext auf Seite 11, Erläuterungen auf Seite 119 (PDF, BT-Drs. 21/8629, Vorabfassung)

Ab wann gilt die Änderung?

Die beschlossene Änderung gilt noch nicht. Bis sie wirksam wird, bleibt es bei der bisherigen gesetzlichen Regelung.

Zunächst muss das weitere Gesetzgebungs­verfahren abgeschlossen werden. Anschließend wird das Gesetz im Bundes­gesetzblatt offiziell veröffentlicht. Diese Veröffentlichung heißt „Verkündung“.

Die Änderung für Cannabis­medikamente soll am Tag danach gelten. Ein genaues Datum steht noch nicht fest.

Ab wann die Änderung gelten soll: Artikel 11 Absatz 1, Seite 74 (PDF)

Warum nennt die Richtlinie noch Cannabisblüten?

Die Arzneimittel-Richtlinie enthält nähere Regeln für Medikamente auf Kassenrezept. In der hier verlinkten Fassung vom 3. Oktober 2026 stehen noch ältere Angaben zu Cannabis­blüten. Dieser Teil ist noch nicht an die geänderte gesetzliche Regelung angepasst.

Allein aus diesen älteren Angaben lässt sich deshalb nicht ableiten, dass die Krankenkasse Cannabis­blüten bezahlen muss.

Arzneimittel-Richtlinie: Fassung mit Geltung ab 3. Oktober 2026, § 4a und § 44 (PDF)

Stand der gesetzlichen Änderungen geprüft: 25. Oktober 2026.
Gerichts­entscheidungen ergänzt: 29. Oktober 2026.

Wir aktuali­sieren diese Seite, sobald es ver­lässliche Neuigkeiten gibt.

Muss eine laufende Behandlung umgestellt werden?

Nach Einschätzung des Bundesgesundheitsministeriums ist das allein wegen der Vorgabe zum Behandlungs­versuch nicht nötig. Wer für dieselbe Erkrankung oder dieselben Beschwerden bereits ein Cannabis­medikament erhält, soll deshalb nicht erst für sechs Monate auf ein zugelassenes Fertig­arzneimittel wechseln müssen.

Auch die Begründung zur am 15. Oktober 2026 beschlossenen Änderung sieht vor, dass diese Menschen keinen solchen Versuch nachholen müssen. Das steht allerdings in der Begründung, nicht ausdrücklich im neuen Gesetzestext. Die Änderung ist noch nicht in Kraft.

Bei Cannabis­blüten bleibt die Bezahlung eine eigene Frage. Aus diesen Aussagen folgt nicht automatisch, dass die Krankenkasse eine bisherige Behandlung weiter bezahlt. Was eine vorhandene Genehmigung bedeutet, erläutern wir im nächsten Akkordeonpunkt.

Antwort der Bundesregierung: laufende Behandlungen (Fragen 8 und 13, Seite 4, PDF)
Begründung zur beschlossenen Änderung (Seite 119, PDF)

Muss ein Medikament trotz fehlender Wirkung oder Unverträglichkeit sechs Monate weiter verordnet werden?

Nach der Antwort der Bundesregierung besteht dazu keine Pflicht. Ein Medikament, das nicht hilft oder nicht vertragen wird, muss also nicht allein wegen der Sechsmonatsvorgabe weiter verordnet werden. Über das weitere Vorgehen entscheidet die behandelnde Praxis gemeinsam mit der erkrankten Person.

Das ist die Auslegung der Bundesregierung. Ob die Krankenkasse ein anderes Medikament bezahlt, muss gesondert geklärt werden.

Antwort der Bundesregierung: fehlende Wirkung und Unverträglichkeit (Frage 16, Seite 6, PDF)

Ist bei einem Medikamentenwechsel eine neue Genehmigung nötig?

Beim Wechsel von Cannabis­blüten auf ein anderes Cannabis­medikament kann eine neue Genehmigung der Krankenkasse erforderlich sein. Eine bisherige Genehmigung deckt nicht automatisch jedes andere Medikament ab.

Es gibt Ausnahmen: Bei bestimmten ärztlichen Qualifikationen entfällt die vorherige Genehmigung. Die übrigen Voraussetzungen für eine Verordnung auf Kassenrezept gelten trotzdem.

Vor einem Wechsel sollte die behandelnde Praxis deshalb klären, welche Regeln für das neue Medikament gelten und ob eine Genehmigung nötig ist.

Gesetzliche Grundlage: § 31 SGB V
Arzneimittel-Richtlinie: Regeln zur Genehmigung (§ 45, PDF)

Eine frühere Geneh­migung für Cannabis­blüten ist weiter­hin wichtig. Ob die Kranken­kasse die Be­handlung weiter bezahlen muss, hängt aber vom genauen Inhalt der Geneh­migung und von späteren Ent­scheidungen ab.

Die Kranken­kasse hat die Geneh­migung noch nicht aufgehoben

Eine Geneh­migung bleibt grund­sätzlich wirksam, solange sie nicht aufgehoben wurde, abgelaufen ist oder aus einem anderen recht­lichen Grund nicht mehr gilt. Deshalb ist wichtig: Gilt sie un­befristet? Welche Medi­kamente umfasst sie? Enthält sie Ein­schränkungen oder Be­dingungen?

Eine alte Geneh­migung allein ist jedoch keine sichere Zusage, dass die Kranken­kasse Cannabis­blüten weiter­hin bezahlt. Dafür muss der konkrete Fall geprüft werden.

Die Kranken­kasse hat die Geneh­migung aufgehoben

Dagegen ist ein Wider­spruch möglich. Er kann verhindern, dass die Kranken­kasse die Auf­hebung vor­läufig umsetzen darf. Das heißt „auf­schiebende Wirkung“. Es gibt allerdings Ausnahmen, etwa wenn die Kranken­kasse aus­drücklich die sofortige Voll­ziehung anordnet.

Ein Beispiel aus Duisburg: Das Sozial­gericht stellte in einem Einzel­fall fest, dass der Wider­spruch die Auf­hebung einer früheren Geneh­migung vor­läufig stoppte. Während dieser auf­schiebenden Wirkung ver­pflichtete die bisherige Geneh­migung die Kranken­kasse nach Auffassung des Gerichts zur weiteren Ver­sorgung mit Cannabis­blüten auf Kassen­rezept. Ob eine spätere Klage denselben Schutz bieten würde, ließ das Gericht aus­drücklich offen. Mehr dazu im Abschnitt „Was zeigen die bisherigen Eil­entscheidungen?“.

Neue Ent­scheidung aus Sachsen: Auch das Sächsische Landes­sozial­gericht bestätigte am 21. Oktober 2026 im Dresdner Verfahren die vor­läufige Wirkung des Wider­spruchs. Nach seiner Auffassung musste die Kranken­kasse in dieser Phase auf Grund­lage der bisherigen Geneh­migung weiter leisten. Das Gericht grenzt diesen Schutz aus­drücklich von einer späteren Klage ab. Andere Gerichte bewerten die Wirkung früherer Geneh­migungen anders; eine allge­meine Zusage für alle bisherigen Be­handlungen folgt daraus nicht.

Zeit für eine Therapie­umstellung gewinnen: Eine vor­übergehende Weiter­versorgung mit Cannabis­blüten kann im Einzel­fall gericht­lich durch­gesetzt werden. Das Sozial­gericht Mannheim berück­sichtigte dabei aus­drücklich, dass die betroffene Person so Zeit für eine Um­stellung der Be­handlung erhält. Grund­lage war hier ein noch laufendes Wider­spruchs­verfahren, in dem die Kranken­kasse die Auf­hebung der bisherigen Geneh­migung vor­läufig nicht umsetzen durfte. Eine feste Über­gangs­frist oder dauer­hafte Kosten­übernahme folgt daraus nicht. Mehr dazu im Abschnitt „Was zeigen die bisherigen Eil­entscheidungen?“.

Wird der Wider­spruch abgelehnt, ist besondere Auf­merksamkeit nötig: Eine an­schließende Klage schützt bei der Ent­ziehung laufender Leistungen nicht auto­matisch genauso wie der Wider­spruch. Dann sollte geprüft werden, ob zu­sätzlich ein Eil­antrag beim Sozial­gericht nötig ist.

Die Kranken­kasse will die Auf­hebung sofort umsetzen

Steht im Bescheid, dass die „sofortige Voll­ziehung“ angeordnet wird, reicht ein Wider­spruch allein grund­sätzlich nicht aus, um die Auf­hebung zu stoppen. Beim Sozial­gericht kann vor­läufiger Schutz beantragt werden. Welcher Antrag passt und ob er Aussicht auf Erfolg hat, hängt vom Einzel­fall ab.

Ein Beispiel aus Würzburg: Das Sozial­gericht stoppte am 21. Oktober 2026 die sofortige Auf­hebung vor­läufig. Die Kranken­kasse hatte nicht aus­reichend begründet, warum die Auf­hebung in diesem Einzel­fall sofort umgesetzt werden musste. Allge­meine Hinweise auf hohe Kosten und spätere Rück­forderungs­probleme reichten dem Gericht nicht. Das ist keine dauer­hafte Kosten­übernahme und keine Er­stattungs­zusage. Einzel­heiten stehen im Abschnitt „Was zeigen die bisherigen Eil­entscheidungen?“.

Trotz Wider­spruch oder Gerichts­entscheidung fehlt das Medi­kament

Recht­licher Schutz führt nicht immer dazu, dass die Ver­sorgung tatsäch­lich weiter­läuft. Es kann weiter­hin Probleme beim Rezept, bei der Abgabe in der Apotheke oder bei der Ab­rechnung geben. Dann sollte schnell geklärt werden, wo das Hindernis liegt und welche weiteren Schritte nötig sind. Bei einer Gerichts­entscheidung kommt es darauf an, was das Gericht genau angeordnet hat.

Was bedeutet die Ent­scheidung des Bundes­verfassungs­gerichts?

Das Bundes­verfassungs­gericht hat am 15. September 2026 eine Beschwerde gegen die Gesetzes­änderung nicht zur Ent­scheidung angenommen. Die Beschwerde erfüllte die recht­lichen Voraus­setzungen für eine solche Prüfung nicht.

Damit hat das Gericht weder ent­schieden, dass der Ausschluss von Cannabis­blüten mit dem Grund­gesetz vereinbar ist, noch einen allge­meinen Schutz für früher geneh­migte Be­handlungen bestätigt. Zunächst sollen die zustän­digen Sozial­gerichte die offenen Fragen klären.

Wenn die Kranken­kasse die Zahlung beenden will oder eine Unter­brechung der Be­handlung droht, ist schnelle Unter­stützung wichtig. Bescheide und Fristen sollten zeitnah durch eine im Sozial­recht qualifi­zierte Beratungs­stelle oder eine ent­sprechend speziali­sierte Anwalts­kanzlei geprüft werden.

Was Sie bei einer gefähr­deten Blüten­versorgung tun können

Gesetzliche Grund­lagen

Gerichtliche Ent­scheidungen

Die hier genannten Beschlüsse aus Duisburg, Mannheim, Sachsen und Würzburg liegen dem BDCan vor.

Prüfstand
Ein­ordnung der Beschlüsse: Duisburg am 23. Oktober 2026; Mannheim am 25. Oktober 2026; Sachsen und Würzburg am 29. Oktober 2026.
Die verlinkten §§ 86a und 86b SGG wurden am 29. Oktober 2026 geprüft.

Quellen und weiter­führende Infor­mationen

Die Gerichte ent­scheiden bisher unter­schiedlich. Manche haben eine vor­läufige Ver­sorgung mit Cannabis­blüten ermöglicht, andere haben sie abgelehnt. Wichtig sind unter anderem die bisherige Geneh­migung, die gesund­heitliche Situation und die Frage, was genau beim Gericht beantragt wurde.

Ein Eil­verfahren soll schnellen, vor­läufigen Schutz ermög­lichen, wenn eine reguläre Gerichts­entscheidung nicht abgewartet werden kann. Es klärt den Streit normaler­weise noch nicht end­gültig.

Dresden und Sachsen: Vor­läufige Ver­sorgung auch im Beschwerde­verfahren geschützt

Das Sozial­gericht Dresden ver­pflichtete die Kranken­kasse, die betroffene Person vor­läufig weiter mit ärztlich ver­ordneten Cannabis­blüten zu versorgen. Die frühere Geneh­migung galt un­befristet, umfasste aus­drücklich Cannabis­blüten und war noch nicht aufgehoben worden.

Nach Auffassung des Gerichts beendete die Gesetzes­änderung allein diese Geneh­migung nicht. Die Ent­scheidung schützt die betroffene Person vor­läufig. Sie sichert nicht auto­matisch die Be­handlung anderer Menschen mit einer früheren Geneh­migung.

Sozial­gericht Dresden: Beschluss vom 8. September 2026, S 11 KR 486/26 ER – Entscheidungs­text

Neue Ent­scheidung des Sächsischen Landes­sozial­gerichts: Am 21. Oktober 2026 ergänzte das Gericht den Dresdner Beschluss. Die Kranken­kasse hatte die Geneh­migung inzwischen teilweise aufgehoben. Das Landes­sozial­gericht stellte fest, dass der Wider­spruch dagegen die Auf­hebung vor­läufig stoppte. Im Übrigen wies es die Beschwerde der Kranken­kasse zurück.

Nach Auffassung des Landes­sozial­gerichts musste die Kranken­kasse während dieser auf­schiebenden Wirkung weiter auf Grund­lage der bisherigen Geneh­migung leisten. Eine sofortige Voll­ziehung war nicht angeordnet. Bereits am 9. Oktober 2026 hatte das Gericht den Antrag der Kasse abgelehnt, die Durch­setzung des Dresdner Beschlus­ses vor­läufig auszusetzen.

Die Grenze des Beschlus­ses: Das Landes­sozial­gericht unter­scheidet aus­drücklich zwischen Wider­spruch und späterer Klage. Der Schutz aus dem Wider­spruch setzt sich bei einer an­schließenden Klage gegen die Leistungs­entziehung nicht auto­matisch fort. Der Beschluss ist im Eil­verfahren nicht mit einer weiteren Beschwerde anfechtbar. Er entscheidet aber nicht end­gültig über einen dauer­haften Anspruch und garantiert keine Kosten­übernahme in anderen Fällen.

Quelle: Sächsisches Landes­sozial­gericht, Beschlüsse vom 9. und 21. Oktober 2026, Az. L 1 KR 154/26 B ER. Die Beschlüsse liegen dem BDCan vor. Ein­ordnung geprüft am 29. Oktober 2026.

Frankfurt am Main: Eil­antrag abgelehnt

Das Sozial­gericht Frankfurt am Main lehnte die vor­läufige weitere Bezahlung ab. Nach seiner Presse­mitteilung stützte es sich auf den gesetz­lichen Ausschluss von Cannabis­blüten. Auch die strengen Voraus­setzungen für eine Ausnahme bei einer lebens­bedrohlichen oder ver­gleichbar schweren Erkrankung sah das Gericht in diesem Fall nicht als erfüllt an.

Sozial­gericht Frankfurt am Main: Presse­mitteilung zum Beschluss vom 21. August 2026, S 14 KR 409/26 ER

Leipzig: Frühere Geneh­migung reichte nicht aus

Auch das Sozial­gericht Leipzig lehnte einen Eil­antrag ab. Laut Presse­mitteilung enthielt die frühere Geneh­migung aus­drücklich den Hinweis, dass eine Gesetzes­änderung zu einer erneuten Prüfung führen würde. Das Gericht sah darin deshalb keine Grund­lage für eine weitere Ver­sorgung.

Eine lebens­bedrohliche oder ver­gleichbare gesund­heitliche Gefahr durch die Um­stellung der Be­handlung war aus Sicht des Gerichts mit den vor­gelegten Unter­lagen nicht aus­reichend belegt.

Sozial­gericht Leipzig: Presse­mitteilung zum Beschluss vom 16. September 2026, S 3 KR 316/26 ER

Landshut: Wider­spruch stoppt die Auf­hebung vor­läufig

Das Sozial­gericht Landshut stellte fest, dass der Wider­spruch gegen die Auf­hebung einer un­befristeten Geneh­migung auf­schiebende Wirkung hatte. Die Kranken­kasse durfte die Auf­hebung deshalb vor­läufig nicht umsetzen. Nach Auffassung des Gerichts bestand auf Grund­lage der bisherigen Geneh­migung bei ärztlicher Ver­ordnung weiter­hin ein Anspruch auf Ver­sorgung.

Einen zu­sätzlichen Eil­antrag auf Weiter­versorgung hielt das Gericht wegen dieses bereits be­stehenden Schutzes für un­zulässig. Die vor­läufige Er­stattung selbst bezahlter Cannabis­blüten lehnte es ebenfalls ab: Eine dafür er­forderliche besondere Dring­lichkeit war aus seiner Sicht nicht aus­reichend belegt. Ob die Kosten später erstattet werden müssen, wurde damit nicht end­gültig ent­schieden.

Sozial­gericht Landshut: Beschluss vom 8. September 2026, S 16 KR 271/26 ER – Entscheidungs­text auf der Website der Kanzlei Kotz

Duisburg: Frühere Geneh­migung sichert Ver­sorgung während des Wider­spruchs

Das Sozial­gericht Duisburg stellte fest, dass der Wider­spruch gegen die Auf­hebung einer un­befristeten Blüten­genehmigung auf­schiebende Wirkung hatte. Die Kranken­kasse durfte die Auf­hebung deshalb vor­läufig nicht umsetzen. Eine sofortige Voll­ziehung hatte sie nicht angeordnet.

Nach Auffassung des Gerichts ver­pflichtete die bisherige Geneh­migung die Kranken­kasse während dieser auf­schiebenden Wirkung zur weiteren Ver­sorgung mit Cannabis­blüten auf Kassen­rezept. Einen zu­sätzlichen Antrag auf Weiter­versorgung hielt das Gericht deshalb für un­zulässig: Der Anspruch ergab sich aus seiner Sicht bereits aus der fort­geltenden Geneh­migung. Das war keine inhalt­liche Ablehnung der weiteren Ver­sorgung.

Die Grenze des Beschlus­ses: Ob eine spätere Klage gegen die Auf­hebung ebenfalls auf­schiebende Wirkung hätte, ließ das Gericht aus­drücklich offen. Die Ent­scheidung sicherte daher keinen dauer­haften Anspruch und lässt sich nicht ohne Prüfung auf andere Fälle übertragen.

Quelle: Sozial­gericht Duisburg, Az. S 31 KR 1228/26 ER; Ent­scheidung liegt dem BDCan vor.

Mannheim: Vor­läufige Blüten­versorgung kann Zeit für eine Therapie­umstellung schaffen

Eine gericht­lich durch­gesetzte Weiter­versorgung mit Cannabis­blüten kann im Einzel­fall helfen, eine Ver­sorgungs­lücke zu über­brücken und Zeit für eine Um­stellung der Be­handlung zu gewinnen. Das zeigt ein Beschluss des Sozial­gerichts Mannheim.

Das Gericht ver­pflichtete die Kranken­kasse, die zuvor geneh­migte Ver­sorgung vor­läufig wieder auf­zunehmen. Es berück­sichtigte aus­drücklich, dass die betroffene Person dadurch Zeit erhält, sich um eine andere Be­handlung zu bemühen.

Ent­scheidend war der Stand des Verfahrens: Über den Wider­spruch gegen die Auf­hebung der bisherigen Geneh­migung war noch nicht ent­schieden. Die Kranken­kasse hatte auch keine sofortige Voll­ziehung angeordnet. Sie durfte die Auf­hebung deshalb vor­läufig nicht umsetzen, hatte die Ver­sorgung aber dennoch ein­gestellt. Das Gericht ordnete die Wieder­aufnahme der Ver­sorgung an, um die Folgen dieser Ein­stellung zu beseitigen.

Die Grenze des Beschlus­ses: Er sichert keine dauer­hafte Bezahlung von Cannabis­blüten und keine feste Über­gangs­frist. Das Gericht hielt die Aussichten auf einen Erfolg im end­gültigen Verfahren sogar für eher gering, gewährte aber dennoch vor­läufigen Schutz. Wird der Wider­spruch abgelehnt oder die sofortige Voll­ziehung angeordnet, muss der weitere Schutz erneut geprüft werden. Ob eine vor­übergehende Weiter­versorgung auch in einem anderen Fall erreicht werden kann, hängt von der bisherigen Geneh­migung, den Ent­scheidungen der Kranken­kasse und dem Stand des Verfahrens ab.

Das Gericht ordnete außerdem die Er­stattung von Kosten an, die der be­troffenen Person durch die zwischen­zeitliche Ein­stellung der Ver­sorgung entstanden waren. Daraus folgt keine allge­meine Er­stattungs­zusage für selbst bezahlte Cannabis­blüten.

Quelle: Sozial­gericht Mannheim, Beschluss vom 22. Oktober 2026, Az. S 6 KR 3046/26 ER. Der Beschluss liegt dem BDCan vor.

Würzburg: Gericht stoppt die sofortige Auf­hebung vor­läufig

Auch wenn die Kranken­kasse eine frühere Geneh­migung sofort aufheben will, kann gericht­licher Eil­schutz möglich sein. Das Sozial­gericht Würzburg ordnete am 21. Oktober 2026 die auf­schiebende Wirkung des Wider­spruchs an. Die Kasse hatte zuvor aus­drücklich die sofortige Voll­ziehung angeordnet.

Dem Gericht reichte die Begründung dafür nicht aus. Die Kranken­kasse musste zusätzlich erklären, warum die Auf­hebung gerade in diesem Einzel­fall sofort umgesetzt werden sollte. Allge­meine Hinweise auf hohe Ausgaben und mögliche Probleme bei einer späteren Rück­forderung genügten hier nicht.

Die Grenze des Beschlus­ses: Ent­schieden wurde über den vor­läufigen Schutz vor der sofortigen Auf­hebung. Eine dauer­hafte Kosten­übernahme, eine konkrete Zahlung oder eine Er­stattung selbst bezahlter Blüten ordnete das Gericht damit nicht an. Über die Recht­mäßigkeit der Auf­hebung ist damit nicht end­gültig ent­schieden.

Die Kranken­kasse hatte den Wider­spruch bereits vor dem Beschluss abgelehnt. Trotzdem gewährte das Gericht diesen vor­läufigen Schutz. Daraus lässt sich aber keine auto­matische Ab­sicherung für eine gesamte an­schließende Klage ableiten. Bei einem Wechsel in das Klage­verfahren muss der weitere Schutz gesondert geprüft werden.

Quelle: Sozial­gericht Würzburg, Beschluss vom 21. Oktober 2026, Az. S 10 KR 439/26 ER. Der Beschluss liegt dem BDCan vor. Ein­ordnung geprüft am 29. Oktober 2026. Ob eine Beschwerde eingelegt wurde und wie die Ent­scheidung umgesetzt wurde, ist bislang nicht geprüft.

Hamburg: Trotz Wider­spruch keine vor­läufige Weiter­versorgung

Das Landes­sozial­gericht Hamburg bestätigte ebenfalls, dass ein Wider­spruch die Auf­hebung der Geneh­migung vor­läufig stoppte. Es leitete daraus aber keinen Anspruch auf weitere Cannabis­blüten ab. Wegen der Gesetzes­änderung lehnte es sowohl die vor­läufige Ver­sorgung als auch die Kosten­übernahme für selbst beschaffte Blüten auf Privat­rezept ab.

Das Gericht bewertete die Wirkung der früheren Geneh­migung damit anders als das Sozial­gericht Landshut und das Sächsische Landes­sozial­gericht. Auch zwischen Landes­sozial­gerichten besteht damit keine ein­heitliche Be­wertung.

Landes­sozial­gericht Hamburg: Beschluss vom 4. September 2026, L 1 KR 84/26 B ER – amtlicher Entscheidungs­text

Bundes­verfassungs­gericht: Grundsatz­frage nicht ent­schieden

Das Bundes­verfassungs­gericht nahm eine Beschwerde gegen die Gesetzes­änderung nicht zur Ent­scheidung an, weil die recht­lichen Voraus­setzungen dafür nicht erfüllt waren. Es entschied damit weder, dass der Ausschluss von Cannabis­blüten mit dem Grund­gesetz vereinbar ist, noch dass früher geneh­migte Be­handlungen allgemein geschützt sind. Die offenen Fragen sollen zunächst die zustän­digen Sozial­gerichte klären.

Bundes­verfassungs­gericht: Beschluss vom 15. September 2026, 1 BvR 2348/26 – amtlicher Entscheidungs­text

Was bedeutet das für Betroffene? Ein günstiger Beschluss in einem anderen Verfahren garantiert keine Kosten­übernahme im eigenen Fall. Ent­scheidend sind die eigenen Bescheide, medi­zinischen Unter­lagen und der Stand des Verfahrens. Wenn eine Unter­brechung der Be­handlung droht, ist zeitnahe Unter­stützung durch eine im Sozial­recht qualifi­zierte Beratungs­stelle oder Anwalts­kanzlei wichtig.

Prüfstand: Die bereits verlinkten Quellen wurden am 15. Oktober 2026 geprüft. Die Übersicht enthält außerdem dem BDCan vor­liegende Beschlüsse: Duisburg, geprüft am 23. Oktober 2026; Mannheim vom 22. Oktober 2026, geprüft am 25. Oktober 2026; Sächsisches Landes­sozial­gericht vom 9. und 21. Oktober 2026 sowie Würzburg vom 21. Oktober 2026, geprüft am 29. Oktober 2026.

Die Übersicht ist eine Auswahl. Spätere Verfahrens­entwicklungen und die tatsäch­liche Umsetzung sind nicht voll­ständig geprüft. Eil­entscheidungen ersetzen keine end­gültige Ent­scheidung über den jeweiligen Anspruch.

BDCan-Versorgungsmonitoring

Wie wirkt sich die neue GKV-Regelung auf die Versorgung mit Cannabisblüten aus?

Der BDCan dokumentiert die Folgen für gesetzlich versicherte Patientinnen und Patienten, deren ärztlich verordnete Cannabisblüten vor einer Versorgungs­änderung ganz oder teilweise von der Krankenkasse übernommen wurden.

Mit dem Versorgungsmonitoring erfassen wir, wie sich Veränderungen der Versorgung gesundheitlich, im Alltag und finanziell auswirken.